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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Beatrice Weineck in der Frankfurter Heussenstamm-Galerie

Unter dem Titel “Hier und anderswo” eröffnete die Frankfurter Heussenstamm-Galerie ihre erste Ausstellung im neuen Jahr 2008. Sie präsentiert ausgewählte Werke unter anderem von Beatrice Weineck.

Beatrice Weineck befasst sich in ihren ausgestellten Werken zumeist mit der Darstellung von Tieren. Obwohl – bei näherer Betrachtung scheinen es Zwitterwesen zu sein. Eine farbenfrohe Maskerade empfängt uns in der oberen Etage der Galerie – und manches Maskenhafte scheint uns gerade recht in die derzeitige “fünfte Jahreszeit” zu passen. Bald aber erinnern wir uns der altbekannten Frage, ob wir in den Rahmen oder in den Spiegel schauen . . .

Wir begegnen mancherlei Vögeln: Kranichen, Krähen, auch Geiern und – Hühnern. Zwei zahme Hühner hatte sie, vertraut uns die Künstlerin an. Und eine Katze. Genauer gesagt, es könnte Kater Miou gewesen sein. Ihn lernen wir, mit Stofffarbe auf Baumwollgrund gemalt, kennen. Ein anderes Werk erinnert uns mit seiner entsprechenden Inschrift daran, dass unsere Katzen mit ihren Tatzen gelegentlich kratzen. Auch der röhrende Hirsch – wir sahen ihn einst in Bronze auf dem Vertiko oder schlimmer noch als Ölschinken oder Häkelbild in Grosstantes guter Stube – , der einst gewalttätige und jetzt so traurige Minotaurus und das geheimnisvoll-scheue Einhorn fehlen nicht. Und wieder fühlen wir Beobachter uns als Beobachtete. Wir nehmen den feinen Humor wahr, der durch die Etage der Galerie weht. Und doch erschrecken wir, weil uns in Beatrice Weinecks Geschöpfen die Breite menschlichen Gebarens begegnet – manch Blasiertheit und Eitelkeit, Gehabe und Geprotze; dann etwas von Behäbigkeit, Beharrlichkeit und Sturheit; schliesslich aber auch Traurigkeit, Schwermut und Melancholie. Schmunzelnd-augenzwinkerndes Wissen wechselt mit durchschauender Erkenntnis. Beatrice Weineck beobachtet genau, sehr genau. Ihr Blick fokussiert und seziert. Gut, dass sie statt des Skalpells den Pinsel führt.

Die Künstlerin arbeitet überwiegend mit Acryl und Tusche auf Packpapier, das seinen vormals gefalteten Zustand und manche Zerknitterung erkennen lässt. Warum dieses eher banale, ja ärmliche Material? Beatrice Weineck entfremdet das Papier seinem Zweck. Wo Packpapier bestimmungsgemäss einwickelt, verhüllt, dient es jetzt in seiner neuen Verwendung der Aufdeckung, der Spiegelung. Es packt aus statt ein. Es erfährt eine Aufwertung. In anderen Werken greift Weineck zu Stofffarbe und zu Baumwollgewebe als Malgrund. Wenige Arbeiten führt sie, wiederum mit Acryl und/oder Tusche, auf “normalem” Papier oder Papyros aus.

Beatrice Weineck wurde 1953 in Heidelberg geboren. Nach dem Abitur und der Meisterprüfung im Photographenhandwerk engagierte sie der Hessische Rundfunk als Kamerafrau. Seitdem wirkt sie dort im gesamten Spektrum der Berichterstattung. Ferner arbeitet sie für künstlerisch besonders herausragende Fernsehproduktionen wie zum Beispiel Zeinabs Wunden (Brandspuren in einer deutschen Stadt, ARD), Lena (Kinder von Tschernobyl, ARD), Die Kunst der Täuschung (Reisewege zur Kunst, ARD /ARTE), Ärzte ohne Gewissen (Menschenversuche im Dritten Reich, ARD) oderButterbrötchen um halb fünf (Ein Jahr im Altenheim Justina von Cronstätten-Stift, ARD). Für Ulis letzter Sommer (Sterbebegleitung eines AIDS-Kranken, ARD) erhielt sie den Deutschen Kamerapreis.

Vor längerem schon entdeckte Beatrice Weineck über ihren Hauptberuf hinaus die Malerei als weiteres Ausdrucksmittel. Seit 2005 präsentiert sie ihre Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen an ausgesuchten Orten.

Die Ausstellung lief bis zum 8. Februar 2008.

(Bildnachweis: Heussenstamm-Galerie © Beatrice Weineck)

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