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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für November, 2007

„La realtà al femminile“ – vier Künstlerinnen aus Italien in Frankfurt am Main

Dienstag, 27. November 2007

Die Frankfurter Westend Galerie eröffnete am 24. November 2007 ihre neue Ausstellung „La realtà al femminile“ mit Arbeiten der italienischen Künstlerinnen Anna Clara Beltrami, Emanuela Fiorelli, Giovanna Fra und Giuliana Fresco . Mit Ausnahme von Emanuela Fiorelli waren die Künstlerinnen anwesend. Alle vier Damen sind mit ihren Werken zum ersten Mal in Deutschland präsent.

Obwohl die Arbeiten der vier Künstlerinnen – drei von ihnen präsentieren gemalte Bilder, die vierte stellt Objekte aus – auf den ersten Blick in ihrer Farbigkeit und Malweise sowie in der Wahl ihrer Sujets sehr unterschiedlich anmuten, lassen sich doch bei näherer Betrachtung Bezüge herstellen. Die zarten und phantasievollen Fadengebilde von Emanuela Fiorelli stehen in einem reizvollen Spannungsverhältnis zu den mit kraftvollem Pinselstrich ausgeführten Gemälden von Giuliana Fresco, den schwebenden Formen von Giovanna Fra und den dichten Gebilden von Anna Clara Beltrami. Ihnen gemeinsam sind abstrakte Formen (allein Giuliana Fresco fügt ihren Bildern figurative Elemente hinzu), ein kommunikativer Gestus, Innerlichkeit und Ausdrucksstärke sowohl in der Adaption überlieferter Techniken als auch in der innovativen Verwendung verschiedener Materialien. Der Einfluss des italienischen Kulturerbes, der in Farbe, Zeichen und Form seinen Ausdruck findet, prägt die Arbeiten aller vier Künstlerinnen. Sie zeigen feminine Erfahrungswelten, ohne dass geschlechtsspezifische Intentionen deutlich werden.

Anna Clara Beltrami wurde 1965 in Vimercate geboren. Sie studierte an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand. Heute lebt und arbeitet sie in Varese. Sie stellte bislang vielfach in Mailand, ferner in Cremona, Maccagno und Piacenza sowie in ihrem Geburtsort aus.

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Anna Clara Beltrami, Evoluzioni, 2007,
Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm
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Was könnten Dresden und Frankfurt gemeinsam haben?

Mittwoch, 21. November 2007

Die noch nicht gebaute Waldschlösschenbrücke in Dresden (was für ein entzückender Name für lärmenden und stinkenden LKW-Verkehr!) – wir berichteten im vergangenen August auf dieser Seite – und Rhinolophus hipposideros – die kleine Hufeisennase: Die Lösung ist greifbar nahe!

Politiker sind genial, wie wir alle wissen – die jahrelangen Possenspiele um die Waldschlösschenbrücke sind ein eindrucksvoller Beleg dafür. Aber Juristen sind doch noch genialer, Beweis dafür ist der neueste Richterspruch aus Bautzen: Das dortige Sächsische Oberverwaltungsgericht hat nun den von der Vorinstanz angeordneten Baustopp für die Brücke aufgehoben. Zwar ist, wenn die Brücke steht, die Landschaft im Elbtal perdu, aber Rhinolophus hipposideros wird gerettet. Die Lösung: Nicht das Brückenbauwerk bringt unser winzig kleines Fledermäuslein um, sondern der Autoverkehr. Na denn, die Rechnung ist jetzt ganz einfach (der alte Juristensatz „judex non calculat“ stimmt eben doch nicht): Die kleine Hufeisennase, geschickte nächtliche Fliegerin, die sie ist, kann den bösen Autos ausweichen, wenn diese nicht schneller als 60 km/h fahren. Also wird des Nachts der Verkehr auf der Brücke auf 30 km/h beschränkt. Es werden zwei stationäre Radaranlagen angebracht. Warum 30? Weil dann, wer mit 60 und mehr km/h unterwegs ist, einen Monat Fahrverbot kassiert. Und wer will das schon. Perfekt, diese Rechnung. Musste man eben nur erst einmal darauf kommen. Dass einen Meter nach den alsbald im ganzen Sachsenland bekannten Radaranlagen die bösen Autos sofort wieder auf 80 bis 100 km/h beschleunigen, scheint den Richtern entgangen zu sein, oder sie glauben eben so unverbrüchlich wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, und auch ich selbst an das Gute im Auto fahrenden Menschen. Glauben wir doch, aber ja! Weiterlesen

Ina Holitzka

Donnerstag, 15. November 2007

Räume, Abformungen, Schritte
Ina Holitzka erkundet die Raumzeit

Die Künstlerin, wunderbar neugierig auch nach einem zwei Jahrzehnte umfassenden schöpferischen Prozess, auf der Suche nach immer neuen Möglichkeiten des Raum- und Zeitausmessens, überzeugt, Grenzen, die ihre bisherigen künstlerischen Erfahrungen aufgezeigt haben, versetzen und aufbrechen zu können, bereit zu Umbrüchen und Neuansätzen: Ina Holitzka.

Es erweist sich unversehens als schwierig, im Rahmen unserer kaleidoskopartigen „Porträts“ dem künstlerischen Werk Ina Holitzkas gerecht zu werden, weil sich dieses Oeuvre über den angedeuteten Zeitraum von zwanzig Jahren erstreckt, weil der eine Werkzyklus auf dem anderen aufbaut und die Beschreibung eines solchen Prozesses eine eingehende monografische Befassung erforderte. Weil wir erst dann, wenn wir alle diese Schritte mitzuvollziehen versuchen, im Sinne der künstlerischen Intention unsere räumlichen Seh- und Interpretationsgewohnheiten hinterfragen und uns dabei auf eine neue, den altgewohnten Rahmen sprengende Betrachtungsweise, ein neues Verständnis von Raum – und auch Zeit – und zugleich auf eine neue, lustvoll-bereichernde ästhetische Erfahrung einlassen können.

Ina Holitzka, 1957 in Offenbach geboren, studierte an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste – Städelschule – in Frankfurt am Main bei Michael Croissant Bildhauerei und bei Herbert Schwöbel Fotografie Weiterlesen

Sechs Suiten und Konzerte für Orchester von Johann Christoph Pez

Mittwoch, 14. November 2007

Ein neuer musikalischer Leckerbissen auf
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Johann Christoph Pez (nicht zu verwechseln mit dem 1639 in Glatz geborenen und 1694 in Bautzen verstorbenen Musiker und Komponisten Johann Christoph Pezel) kam 1664 in München zur Welt. Pez wurde bereits als Knabe in den Fächern Laute, Gambe und Gesang ausgebildet und war ab 1676 zunächst Turmbläser, anschliessend Kantor an der Kirche St. Peter in München. 1688 berief ihn der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel zum Musiker an seinen Hof. Er ermöglichte Pez in den Jahren 1689 bis 1692 ein Studium in Rom.

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Residenz München, Bildnachweis: Gryffindor/wikimedia commons Weiterlesen

Zygmunt Blazejewski

Sonntag, 11. November 2007

Das kollektive Gedächtnis:
Zygmunt Blazejewskis Rollenbibliothek „Anima mundi“ in der Galerie der Frankfurter Heussenstamm-Stiftung

(Kunst-)Museen sind unverzichtbar als das kollektive Gedächtnis der Menschheit, sagt Jean-Christophe Ammann. Gleiches gilt für Bibliotheken, nach den mündlich überlieferten Mythen, den bereits aufgezeichnet überkommenen Epen des Altertums die bedeutendsten in Schriftform manifestierten kollektiven Gedächtnisse. Auch die Bibel – „Buch der Bücher“ – ist eine solche Bibliothek. Sie sind verschollen, die im Altertum weltweit gerühmten Grossbibliotheken von Alexandria oder Pergamon, die Celsus-Bibliothek von Ephesus oder die Hadrians-Bibliothek in Athen. Welche Anstrengungen unternehmen wir heute, um die schmerzhaften Brandverluste der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar in überschaubaren Grenzen zu halten!

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Celsus-Bibliothek (Foto: Michi wikimedia commons CC)

Zygmunt Blazejewski entwickelte in den Jahren ab 1992 eine Bibliothek der besonderen Art: eine Bibliothek „Anima mundi“ als kollektives Gedächtnis, als Bibliothek der Bilder, wichtiger vielleicht, der Farbe, eines der wesentlichen Elemente, wenn nicht das Wesentliche eines Bildes.

Blazejewski erbaute seine Bibliothek aus Rollenbildern. Wieder erinnern wir uns der antiken Vorbilder: der rotuli, der Rollen. Die Bibliotheken bestanden aus Papyrus- oder Pergamentrollen. Wir denken an die Rollen von Qumran. Rollen haben etwas Geheimnisvolles : Zunächst verbergen sie ihre jahrhunderte, jahrtausende alten Inhalte, ihre Botschaften, die sie uns vermitteln wollen, sie verbinden Zukunft und Vergangenheit. Diese Inhalte, diese Botschaften sind wertvoll, sind eine wichtige Grundlage für unser Selbstverständnis und für die Entwicklung nachfolgender Kulturen. Auf den Punkt gebracht: Erst müssen wir sie entrollen, diese rotuli, um deren Inhalte wahrnehmen und verstehen zu können.

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